Über das Geld und einer

notwendigen Reform

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Geschichten, Berichte & Betrachtungen
startseite Wesen aus Fantasie und Worten Reiseerinnerungen Geldreform Blog Zeitgeisterei Forum Chat Impressum Sie hielt den Hörer noch in der Hand obwohl er längst aufgelegt hatte. Ein Kilo Butter sollte sie mitbringen, Deutsche Markenbutter, das hatte der Mann betont, und zwei Stück Seife. Welche sei ihm gleichgültig, nur duften sollte sie nicht zu stark. "Ein Kilo Butter und zwei Stück Seife?" Die Kollegin von Marianne schaute skeptisch, als sie von dem Telephonat hörte.  "Und die Martinistraße ist auch nicht die erste Adresse."  "Aber was soll ich machen? Ich brauche eine Wohnung."  "Andererseits sind Butter und Seife auch nicht zuviel verlangt. Da gibt es ganz andere Forderungen."  "Eben."  "Wann sollst du kommen?"  "Um halb sechs."  "Ich wünsche dir jedenfalls viel Glück."   Mit dem Bus fuhr Marianne bis fast vor die Haustür.  "Nummer 114", hatte der Mann gesagt. "Gleich neben dem Waffengeschäft, falls Sie die Hausnummer nicht erkennen können. Sie ist etwas verwittert."  Aber nicht nur die Hausnummer war verwittert. Von der gesamten Fassade des drei stöckigen Gebäudes war die Farbe abgeblättert und an einigen Stellen bröckelte schon der Putz.   Eine Weile stand Marianne vor der dunkelbraunen Tür und studierte die verblaßten Namen auf den Schildchen, - sofern welche eingetragen waren.  Der Mann hatte seinen Namen nicht erwähnt und sie hatte vergessen danach zu fragen. Überhaupt hatte er kaum etwas über die Wohnung erzählt, nur das es eine Dachwohnung sei.  "Und wenn Sie meinen, Sie müßten die Bude unbedingt anschauen, gut, ich dränge keinen. Nur denken Sie bitte an die Butter und die Seife. Und seien Sie pünktlich! Es kommen ja noch andere Interessenten", hatte er ihr kurz und knapp erklärt.  Mariane drückte gegen die Tür. Sie war nicht verschlossen. Schwer aber fast lautlos ließ sie sich öffnen. Der strenge Geruch eines Treppenhauses, in dem sich die Düfte aus allen Küchen vereinten, empfing sie. Eine Zeitung rutschte aus dem Postkasten und fiel auf die grauen Fliesen.  "Sind Sie Frau Friedrichs?"  Erschrocken schaute Marianne hoch. Auf dem Treppenabsatz stand ein alter zitternder Mann, bekleidet mit einem zerschlissenen Morgenmantel und gestützt auf einem knorrigen Spazierstock.  Marianne nickte.  "Sie kommen wegen der Wohnung. Gut. Ich aber glaube kaum, das sie Ihnen zusagen wird. Das sage ich Ihnen gleich. Aber meinetwegen. Schauen Sie sich die Wohnung an. Es ist eine Dachwohnung über der dritten Etage. Sie haben die Butter mitgebracht, und die Seife?"   Marianne zog eine Tüte aus ihre Tasche.  "Sehr gut. Geben Sie mir."  Sie stieg zum ersten Treppenabsatz und reichte die Tüte dem Mann. Der Alte stank. Nach Schweiß, nach Bier, nach Urin. Marianne wich sofort zurück, als sie ihm die Tüte gereicht hatte. Umständlich legte er sie neben sich auf den Boden. Dann wühlte er in seiner Manteltasche. Der Alte hatte Schwierigkeiten, sich auf den Beinen zu halten. Seine Hausschuhe waren breitgetreten, so das die nackten grauen Füße halb neben den Schuhen standen."  "Wieviel schulde ich Ihnen?" fragte er.  "Sie wollen bezahlen?"  "Ja selbstverständlich. Oder was dachten Sie?"  "Ich..."  "Das kann ich noch. Keine Sorge. Wenn ich auch sonst nichts mehr kann. Bezahlen aber kann ich noch."  Der Mann reichte ihr einen zehn Mark Schein. Er hatte lange, verknorpelte Finger und dreckige Fingernägel, die gelblich waren, mit schwarzen Flecken. Sie gab ihm schnell das Wechselgeld.  "Gehen Sie nun. Gehen Sie rauf und schauen Sie sich die Wohnung an. Die Tür ist offen."   Der Alte blieb mitten auf dem Absatz stehen. Er rührte sich nicht, keinen Zentimeter. Marianne schob sich schnell mit angehaltenem Atem an ihm vorbei. "Sie leben allein?" rief er, als sie schon ein paar Stufen gestiegen war.  Sie nickte. Der Alte schaute noch immer hinunter zur Tür.  "Ja oder Nein?"  "Ja, ich lebe allein."  "Gut. Ist mir recht. Aber ich glaube kaum, daß Ihnen die Wohnung zusagt."  "Was soll sie kosten?"  "Kosten? Ach was. Gehen Sie erst rauf. Schauen Sie sich die Wohnung an. Alles weitere danach." Der alte Mann drehte ihr seinen Kopf etwas zu und schielte.  "Falls Sie ein danach wünschen. Aber nun gehen Sie schon!"   Das Treppenhaus war dunkel und schmutzig. Aus der rechten Wohnung in der zweiten Etage drang der Geruch verbrannter Milch. Orientalische Musik dudelte hinter der Tür. In der dritten Etage war es totenstill. Das Treppenhaus war hier zu Ende. Nur noch eine schmale Holzstiege führte ein Stück weiter hinauf auf einen dunklen Absatz. Rechts war eine grobe Holztür, die mit einem Vorhängeschloß gesichert war. Links befand sich eine weiß gestrichene Wohnungstür. Sie war nicht verschlossen.    Marianne betrat einen kleinen dunklen Flur. Die Tapeten hingen von den Wänden, von der Decke rieselte Putz und an einigen Stellen war das Stroh sichtbar. Eine Schabe huschte über den zerschlissenen roten Linoleumfußboden und verkroch sich hinter einer abstehenden Fußleiste. Direkt der Wohnungstür gegenüber befand sich die Toilette. Die Tür war geöffnet. In die hinterste Ecke des Raumes, der kaum breiter war als die Tür, stand das Klosettbecken. Nasses Zeitungspapier und Tapentenfetzen quollen aus der Schüssel. Die Klosettbürste lag neben dem Eingang.   Es roch nach Staub und Kalk. Vor Mariannes Füßen lag eine alte Boulevardzeitung. Neben einem am Strand kauernden nackten Mädchen prangte die Schlagzeile "Junge Frau zerstückelt. Eingefroren".   Vorsichtig ging Marianne durch die engen Räume. In fast allen Ecken hingen dicke Spinnweben, in denen sich grauer Staub und Mörtelbrocken verfangen hatten. In jedem Raum waren in der Dachschräge kleine Fenster eingebaut. Mit Mühe konnte sie eines der klemmenden Holzfenster öffnen.   Der Blick ging über graue Hinterhöfe, über kleine, verbaute Balkons, rötlichschwarze Dächer zu einem alten, still gelegten Fabrikgebäude. Überraschend ruhig war es ja hier oben, dachte sie. Vom Straßenlärm war kaum etwas zu hören. Aber bin ich Innenarchitektin?   Sie drückte das Fenster wieder zu. Als sie sich umdrehte, huschte an der gegenüberliegenden Wand ein Schatten vorüber und im gleichen Augenblick knallte eine Tür. Sie riß ihre Hand hoch, legte sie an ihren Mantelkragen. Mit angehaltenem Atem lauschte sie.   "Ist da jemand!" rief sie. Niemand antwortete.   Plötzlich baumelte eine fette Spinne vor ihren Augen. Entsetzt sprang sie zur Seite. Die Spinne hangelte sich an ihrem Faden hoch und verschwand in einem Loch der Dachschräge.  Marianne eilte zum Ausgang. Die Wohnungstür war zu gefallen. Ihr fehlte die Türklinke. "Hallo!" rief sie und klopfte gegen die Tür. Doch im ganzen Haus schien es kein Leben zu geben. Nur aus weiter Ferne erscholl ein Martinshorn. Da entdeckte Marianne auf dem Fußboden die Türklinke. Sie hob die Klinke auf, stopfte sie in das Loch und öffnete die Tür.  In der zweiten Etage war es jetzt auch still und der Geruch von verbrannter Milch hatte sich mit den anderen Gerüchen vermischt.   Der alte Mann war nicht mehr da. Marianne wollte ihn schon rufen, aber sie wußte ja nicht einmal seinen Namen. Und wozu auch? Sie lief die restlichen Stufen hinab, zog die schwere Haustür auf und stand auf dem Bürgersteig.   Der lebhafte Straßenverkehr tat ihr gut. Sie atmete kräftig durch, nahm den Zehner aus ihre Manteltasche, den ihr der Alte für die Butter und die Seife gegeben hatte, und steckte ihn in ihr Portemonnaie. Dann ging sie die Straße hinunter zur Bushaltestelle. Noch immer spürte sie den Geruch des Hausflures und des Alten in ihre Nase.  Als sie an der Haltestelle wartete, kam ein junges Paar vorbei. Er trug einen Waschmittelkarton, sie einen Packen Toilettenpapier.  "Hat er nicht gesagt warum wir das mitbringen sollen?" fragte der Junge.  Das Mädchen schüttelte den Kopf.  Marianne schaute den Beiden nach, wie sie bis zu Nummer 114 gingen, auf die Klingelknöpfe schauten und dann durch die dunkle Haustür verschwanden.     (c) Klaus Dieter Schley
Einführung Geld Markt Preis Wachstum Verbraucher Zins Inflation Rationalisierung Kapital - Ismus Geldschöpfung Arbeitsmarkt Reform Auswirkungen Einwaende Contras Aktuelles Wesen aus Fantasie und Worten  Kurze Texte aus meiner Schreibwerkstatt Wesen aus Fantasie und Worten e-mail Reiseerinnerungen von Klaus Dieter Schley
Die Finanz- bzw.Schuldenkrise, oder wie ich sage, die Vermögenskrise, ist ein Thema unserer Tage in unserer Welt, die durch Geld wohl mal wieder auseinander fällt. Die Subprimekrise von 2007 brachte zudem auffällig eine Sprachlosigkeit der etablierten Wirtschaftswissenschaften zu tage, denn es dauerte eine ganze Weile, bis sich die Wissenschaftler zaghaft zu der Krise äußerten, die in ihrem Weltbild eigentlich nicht vorkommen darf. Lustig wurde es mit diesen Ökonomen dann im Jahr 2012, als die Staatsschuldenkrise Griechenlands zu einem heftigen, in gewisser Weise peinlichen Streit unter diesen Scharlatanen führte. Zwei historische Vorkommnisse, die ausreichend genug sind für jeden Interessierten, den etablierten Pfadfindern bei ihren Deutungen nicht unbedingt zu folgen und stattdessen nach Alternativen zu suchen. Die gibt es, wie ich vor einigen Jahren selber erfahren habe und kurz in der Einführung  schildere zu dem Thema, “eine Welt die durch Geld auseinander fällt”. Überhaupt das Geld. Was ist das eigentlich? Etwas mit dem jeder von uns nahezu täglich zu tun hat ohne sich dessen Wesen und Funktionsweise bewusst zu sein.Die üblichen Erklärungen scheinen mir hinter manchen Metaphern mehr zu verbergen als über des Geldes Wesen zu enthüllen.  In dem Kapitel Geld erlaube ich mir deshalb eine ganz einfache, praktische Betrachtungsweise die es erlaubt, die grundsätzliche Funktionsweise und Seinsweise(!) zu verstehen. Geld hat eine wichtige Funktion für das reale wirtschaftliche Geschehen. Der Ort des Wirtschaftens ist der Markt. Was aber ist der Markt? In dem Kapitel Markt wird dieser Ort ganz grundsätzlich betrachtet. Es stellt sich heraus, dass der Markt eine natürliche Funktion ist. Interessant daran ist, dass der Markt grundsätzlich nicht versagen kann - er funktioniert immer, auch dann, wenn die Ergebnisse menschlichen Handelns auf dem Markt nicht zu seinem Nutzen oder Vorteil sind. Die Ware ist mit einem Preis ausgezeichnet. Damit wissen wir, was wir bezahlen müssen. Reduziert man auf den reinen Handel ist alles in Ordnung wenn wir den Preis mit Geld bezahlt haben. Entspricht das gezahlte Geld aber auch tatsächlich dem “Marktpreis”? Schaut man genauer hin - wie in dem Kapitel “Preis” - sieht man, dass wir alles mögliche “in kauf nehmen” um so den Handelspreis gegenüber dem Marktpreis möglichst gering zu halten. Die Illusion liegt darin zu glauben, dass die Natur des Marktes dies auf Dauer zulässt und nicht letztlich den Marktpreis doch noch erzwingt. “Wachstum ist nicht alles aber ohne Wachstum ist alles nichts”. Mit dieser Aussage brachte ein Politiker schon vor Jahrzehnten die Maxime allen wirtschaftlichen Handelns zum Ausdruck. Wenn also nicht Jahr für Jahr die Menge der produzierten Waren und Dienstleistungen zunimmt und entsprechend verbraucht wird, geht der Wohlstand einer Volkswirtschaft zurück. Eigentlich eine absurde Situation. Meine Betrachtungen zeigen warum das so ist und scheinbar bis in alle Ewigkeit so sein muss. In dem Kapitel Wachstum werden einige grundlegende Aspekte zum Thema Wachstum betrachtet. Am Ende allen wirtschaftens steht der Verbraucher: er ist König, armer Schlucker und Schnorrer zugleich. In dem Kapitel “Verbraucher” wird deutlich, dass der Verbraucher nicht nur am Ende der Produktionskette steht sondern auch alle Kosten zu zahlen hat. Eigentlich hat er das, denn in der Realität zeigt sich auch eine andere Entwicklung. Geld kann man gegen Waren und Dienstleistungen tauschen, muss es aber nicht. Im Kapitel “Zins”  zeige ich, was passiert wenn Geld dem Kreislauf entzogen wird. Der Zins soll verhindern, dass das geschieht - er gilt als Umlaufsicherung. Untersucht wird aber auch, ob das geltende Zinssystem für die meisten Sparer überhaupt von Vorteil ist. Dazu wird der “persönliche - Zins -Break -Even” eingeführt. Aus den Kapiteln Preis und Markt geht hervor das eine Steigerung des Preises nicht unbedingt Ausdruck einer Inflation sein muss. In dem Kapitel ”Inflation” wird der Unterschied von Preissteigerung und Inflation betrachtet. In dem Kapitel “Rationalisierung” zeige ich welche Wirkung grundsätzlich gesehen die Rationalisierung hat: für den Kunden, für die Arbeitnehmer und für die Investoren bzw. Unternehmen. Fast man die Beobachtungen aus den bisherigen Kapiteln zusammen wird verständlich was in dem Kapitel “Kapitalismus” geschrieben steht: der Kapitalismus ist eine Denkweise vom Kapital her. Diese Denkweise ist derartig verinnerlicht, das selbst Kommunisten kapitalistisch denken - ohne es zu merken. Paradox scheint, dass die Denkweise verhindert, die im Grunde einfache Funktion des Geldsystems zu erkennen. Viele Menschen scheinen mir fasziniert zu sein von der Tatsache, das Banken selber Geld “machen” können und dürfen - die sogenannte Geldschöpfung. In dieser Geldschöpfung wird die Ursache der modernen Finanzkrisen gesehen. In dem Kapitel Geldschöpfung betrachte ich diese Problematik etwas genauer. Wenn man die grundlegende Funktionsweise des Geldsystems mit der realen Wirtschaft vergleicht muss man feststellen, das in der realen Wirtschaft marktwirtschaftliche Prinzipien gelten, für das Geldsystem aber eine staatswirtschaftliche Praxis vorherrscht. Im Kapitel “Arbeitsmarkt” vergleiche ich das Geldsystem mit dem Arbeitsmarkt der genau diese Unterschiede deutlich macht. Im Kapitel “Reform” wird eine Geldsystemreform entworfen - auch - um anhand des Modells nochmals die Funktionsweise des Geldsystems zu verdeutlichen. Denn jegliche Reform bräuchte als Voraussetzung eine grundlegende Einsicht in die Funktionsweise des derzeitigen Geldsystems. Wenn die bisher vorgestellten Kapitel weitestgehend ausformuliert sind wird es weitere geben: vor allem eine kritische Auseinandersetzung mit der Reform.  
Kreuz und quer durch Alaska Ein Besuch auf der Eselsinsel Sahelzone im Atlantik - Capo Verde

Aktuelle Betrachtung:

Über das Geld und einer notwendigen Reform

Klaus Dieter Schley, 2017
Der Storybeutel
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Sie hielt den Hörer noch in der Hand obwohl er längst aufgelegt hatte. Ein Kilo Butter sollte sie mitbringen, Deutsche Markenbutter, das hatte der Mann betont, und zwei Stück Seife. Welche sei ihm gleichgültig, nur duften sollte sie nicht zu stark. "Ein Kilo Butter und zwei Stück Seife?" Die Kollegin von Marianne schaute skeptisch, als sie von dem Telephonat hörte.  "Und die Martinistraße ist auch nicht die erste Adresse."  "Aber was soll ich machen? Ich brauche eine Wohnung."  "Andererseits sind Butter und Seife auch nicht zuviel verlangt. Da gibt es ganz andere Forderungen."  "Eben."  "Wann sollst du kommen?"  "Um halb sechs."  "Ich wünsche dir jedenfalls viel Glück."   Mit dem Bus fuhr Marianne bis fast vor die Haustür.  "Nummer 114", hatte der Mann gesagt. "Gleich neben dem Waffengeschäft, falls Sie die Hausnummer nicht erkennen können. Sie ist etwas verwittert."  Aber nicht nur die Hausnummer war verwittert. Von der gesamten Fassade des drei stöckigen Gebäudes war die Farbe abgeblättert und an einigen Stellen bröckelte schon der Putz.   Eine Weile stand Marianne vor der dunkelbraunen Tür und studierte die verblaßten Namen auf den Schildchen, - sofern welche eingetragen waren.  Der Mann hatte seinen Namen nicht erwähnt und sie hatte vergessen danach zu fragen. Überhaupt hatte er kaum etwas über die Wohnung erzählt, nur das es eine Dachwohnung sei.  "Und wenn Sie meinen, Sie müßten die Bude unbedingt anschauen, gut, ich dränge keinen. Nur denken Sie bitte an die Butter und die Seife. Und seien Sie pünktlich! Es kommen ja noch andere Interessenten", hatte er ihr kurz und knapp erklärt.  Mariane drückte gegen die Tür. Sie war nicht verschlossen. Schwer aber fast lautlos ließ sie sich öffnen. Der strenge Geruch eines Treppenhauses, in dem sich die Düfte aus allen Küchen vereinten, empfing sie. Eine Zeitung rutschte aus dem Postkasten und fiel auf die grauen Fliesen.  "Sind Sie Frau Friedrichs?"  Erschrocken schaute Marianne hoch. Auf dem Treppenabsatz stand ein alter zitternder Mann, bekleidet mit einem zerschlissenen Morgenmantel und gestützt auf einem knorrigen Spazierstock.  Marianne nickte.  "Sie kommen wegen der Wohnung. Gut. Ich aber glaube kaum, das sie Ihnen zusagen wird. Das sage ich Ihnen gleich. Aber meinetwegen. Schauen Sie sich die Wohnung an. Es ist eine Dachwohnung über der dritten Etage. Sie haben die Butter mitgebracht, und die Seife?"   Marianne zog eine Tüte aus ihre Tasche.  "Sehr gut. Geben Sie mir."  Sie stieg zum ersten Treppenabsatz und reichte die Tüte dem Mann. Der Alte stank. Nach Schweiß, nach Bier, nach Urin. Marianne wich sofort zurück, als sie ihm die Tüte gereicht hatte. Umständlich legte er sie neben sich auf den Boden. Dann wühlte er in seiner Manteltasche. Der Alte hatte Schwierigkeiten, sich auf den Beinen zu halten. Seine Hausschuhe waren breitgetreten, so das die nackten grauen Füße halb neben den Schuhen standen."  "Wieviel schulde ich Ihnen?" fragte er.  "Sie wollen bezahlen?"  "Ja selbstverständlich. Oder was dachten Sie?"  "Ich..."  "Das kann ich noch. Keine Sorge. Wenn ich auch sonst nichts mehr kann. Bezahlen aber kann ich noch."  Der Mann reichte ihr einen zehn Mark Schein. Er hatte lange, verknorpelte Finger und dreckige Fingernägel, die gelblich waren, mit schwarzen Flecken. Sie gab ihm schnell das Wechselgeld.  "Gehen Sie nun. Gehen Sie rauf und schauen Sie sich die Wohnung an. Die Tür ist offen."   Der Alte blieb mitten auf dem Absatz stehen. Er rührte sich nicht, keinen Zentimeter. Marianne schob sich schnell mit angehaltenem Atem an ihm vorbei. "Sie leben allein?" rief er, als sie schon ein paar Stufen gestiegen war.  Sie nickte. Der Alte schaute noch immer hinunter zur Tür.  "Ja oder Nein?"  "Ja, ich lebe allein."  "Gut. Ist mir recht. Aber ich glaube kaum, daß Ihnen die Wohnung zusagt."  "Was soll sie kosten?"  "Kosten? Ach was. Gehen Sie erst rauf. Schauen Sie sich die Wohnung an. Alles weitere danach." Der alte Mann drehte ihr seinen Kopf etwas zu und schielte.  "Falls Sie ein danach wünschen. Aber nun gehen Sie schon!"   Das Treppenhaus war dunkel und schmutzig. Aus der rechten Wohnung in der zweiten Etage drang der Geruch verbrannter Milch. Orientalische Musik dudelte hinter der Tür. In der dritten Etage war es totenstill. Das Treppenhaus war hier zu Ende. Nur noch eine schmale Holzstiege führte ein Stück weiter hinauf auf einen dunklen Absatz. Rechts war eine grobe Holztür, die mit einem Vorhängeschloß gesichert war. Links befand sich eine weiß gestrichene Wohnungstür. Sie war nicht verschlossen.    Marianne betrat einen kleinen dunklen Flur. Die Tapeten hingen von den Wänden, von der Decke rieselte Putz und an einigen Stellen war das Stroh sichtbar. Eine Schabe huschte über den zerschlissenen roten Linoleumfußboden und verkroch sich hinter einer abstehenden Fußleiste. Direkt der Wohnungstür gegenüber befand sich die Toilette. Die Tür war geöffnet. In die hinterste Ecke des Raumes, der kaum breiter war als die Tür, stand das Klosettbecken. Nasses Zeitungspapier und Tapentenfetzen quollen aus der Schüssel. Die Klosettbürste lag neben dem Eingang.   Es roch nach Staub und Kalk. Vor Mariannes Füßen lag eine alte Boulevardzeitung. Neben einem am Strand kauernden nackten Mädchen prangte die Schlagzeile "Junge Frau zerstückelt. Eingefroren".   Vorsichtig ging Marianne durch die engen Räume. In fast allen Ecken hingen dicke Spinnweben, in denen sich grauer Staub und Mörtelbrocken verfangen hatten. In jedem Raum waren in der Dachschräge kleine Fenster eingebaut. Mit Mühe konnte sie eines der klemmenden Holzfenster öffnen.   Der Blick ging über graue Hinterhöfe, über kleine, verbaute Balkons, rötlichschwarze Dächer zu einem alten, still gelegten Fabrikgebäude. Überraschend ruhig war es ja hier oben, dachte sie. Vom Straßenlärm war kaum etwas zu hören. Aber bin ich Innenarchitektin?   Sie drückte das Fenster wieder zu. Als sie sich umdrehte, huschte an der gegenüberliegenden Wand ein Schatten vorüber und im gleichen Augenblick knallte eine Tür. Sie riß ihre Hand hoch, legte sie an ihren Mantelkragen. Mit angehaltenem Atem lauschte sie.   "Ist da jemand!" rief sie. Niemand antwortete.   Plötzlich baumelte eine fette Spinne vor ihren Augen. Entsetzt sprang sie zur Seite. Die Spinne hangelte sich an ihrem Faden hoch und verschwand in einem Loch der Dachschräge.  Marianne eilte zum Ausgang. Die Wohnungstür war zu gefallen. Ihr fehlte die Türklinke. "Hallo!" rief sie und klopfte gegen die Tür. Doch im ganzen Haus schien es kein Leben zu geben. Nur aus weiter Ferne erscholl ein Martinshorn. Da entdeckte Marianne auf dem Fußboden die Türklinke. Sie hob die Klinke auf, stopfte sie in das Loch und öffnete die Tür.  In der zweiten Etage war es jetzt auch still und der Geruch von verbrannter Milch hatte sich mit den anderen Gerüchen vermischt.   Der alte Mann war nicht mehr da. Marianne wollte ihn schon rufen, aber sie wußte ja nicht einmal seinen Namen. Und wozu auch? Sie lief die restlichen Stufen hinab, zog die schwere Haustür auf und stand auf dem Bürgersteig.   Der lebhafte Straßenverkehr tat ihr gut. Sie atmete kräftig durch, nahm den Zehner aus ihre Manteltasche, den ihr der Alte für die Butter und die Seife gegeben hatte, und steckte ihn in ihr Portemonnaie. Dann ging sie die Straße hinunter zur Bushaltestelle. Noch immer spürte sie den Geruch des Hausflures und des Alten in ihre Nase.  Als sie an der Haltestelle wartete, kam ein junges Paar vorbei. Er trug einen Waschmittelkarton, sie einen Packen Toilettenpapier.  "Hat er nicht gesagt warum wir das mitbringen sollen?" fragte der Junge.  Das Mädchen schüttelte den Kopf.  Marianne schaute den Beiden nach, wie sie bis zu Nummer 114 gingen, auf die Klingelknöpfe schauten und dann durch die dunkle Haustür verschwanden.     (c) Klaus Dieter Schley Einführung Geld Markt Preis Wachstum Verbraucher Zins Inflation Rationalisierung Kapital - Ismus Geldschöpfung Arbeitsmarkt Reform Auswirkungen Einwaende Contras Aktuelles Wesen aus Fantasie und Worten  Kurze Texte aus meiner Schreibwerkstatt Wesen aus Fantasie und Worten e-mail von Klaus Dieter Schley
Die Finanz- bzw.Schuldenkrise, oder wie ich sage, die Vermögenskrise, ist ein Thema unserer Tage in unserer Welt, die durch Geld wohl mal wieder auseinander fällt. Die Subprimekrise von 2007 brachte zudem auffällig eine Sprachlosigkeit der etablierten Wirtschaftswissenschaften zu tage, denn es dauerte eine ganze Weile, bis sich die Wissenschaftler zaghaft zu der Krise äußerten, die in ihrem Weltbild eigentlich nicht vorkommen darf. Lustig wurde es mit diesen Ökonomen dann im Jahr 2012, als die Staatsschuldenkrise Griechenlands zu einem heftigen, in gewisser Weise peinlichen Streit unter diesen Scharlatanen führte. Zwei historische Vorkommnisse, die ausreichend genug sind für jeden Interessierten, den etablierten Pfadfindern bei ihren Deutungen nicht unbedingt zu folgen und stattdessen nach Alternativen zu suchen. Die gibt es, wie ich vor einigen Jahren selber erfahren habe und kurz in der Einführung  schildere zu dem Thema, “eine Welt die durch Geld auseinander fällt”. Überhaupt das Geld. Was ist das eigentlich? Etwas mit dem jeder von uns nahezu täglich zu tun hat ohne sich dessen Wesen und Funktionsweise bewusst zu sein.Die üblichen Erklärungen scheinen mir hinter manchen Metaphern mehr zu verbergen als über des Geldes Wesen zu enthüllen.  In dem Kapitel Geld erlaube ich mir deshalb eine ganz einfache, praktische Betrachtungsweise die es erlaubt, die grundsätzliche Funktionsweise und Seinsweise(!) zu verstehen. Geld hat eine wichtige Funktion für das reale wirtschaftliche Geschehen. Der Ort des Wirtschaftens ist der Markt. Was aber ist der Markt? In dem Kapitel Markt wird dieser Ort ganz grundsätzlich betrachtet. Es stellt sich heraus, dass der Markt eine natürliche Funktion ist. Interessant daran ist, dass der Markt grundsätzlich nicht versagen kann - er funktioniert immer, auch dann, wenn die Ergebnisse menschlichen Handelns auf dem Markt nicht zu seinem Nutzen oder Vorteil sind. Die Ware ist mit einem Preis ausgezeichnet. Damit wissen wir, was wir bezahlen müssen. Reduziert man auf den reinen Handel ist alles in Ordnung wenn wir den Preis mit Geld bezahlt haben. Entspricht das gezahlte Geld aber auch tatsächlich dem “Marktpreis”? Schaut man genauer hin - wie in dem Kapitel “Preis” - sieht man, dass wir alles mögliche “in kauf nehmen” um so den Handelspreis gegenüber dem Marktpreis möglichst gering zu halten. Die Illusion liegt darin zu glauben, dass die Natur des Marktes dies auf Dauer zulässt und nicht letztlich den Marktpreis doch noch erzwingt. “Wachstum ist nicht alles aber ohne Wachstum ist alles nichts”. Mit dieser Aussage brachte ein Politiker schon vor Jahrzehnten die Maxime allen wirtschaftlichen Handelns zum Ausdruck. Wenn also nicht Jahr für Jahr die Menge der produzierten Waren und Dienstleistungen zunimmt und entsprechend verbraucht wird, geht der Wohlstand einer Volkswirtschaft zurück. Eigentlich eine absurde Situation. Meine Betrachtungen zeigen warum das so ist und scheinbar bis in alle Ewigkeit so sein muss. In dem Kapitel Wachstum werden einige grundlegende Aspekte zum Thema Wachstum betrachtet. Am Ende allen wirtschaftens steht der Verbraucher: er ist König, armer Schlucker und Schnorrer zugleich. In dem Kapitel “Verbraucher” wird deutlich, dass der Verbraucher nicht nur am Ende der Produktionskette steht sondern auch alle Kosten zu zahlen hat. Eigentlich hat er das, denn in der Realität zeigt sich auch eine andere Entwicklung. Geld kann man gegen Waren und Dienstleistungen tauschen, muss es aber nicht. Im Kapitel “Zins”  zeige ich, was passiert wenn Geld dem Kreislauf entzogen wird. Der Zins soll verhindern, dass das geschieht - er gilt als Umlaufsicherung. Untersucht wird aber auch, ob das geltende Zinssystem für die meisten Sparer überhaupt von Vorteil ist. Dazu wird der “persönliche - Zins -Break -Even” eingeführt. Aus den Kapiteln Preis und Markt geht hervor das eine Steigerung des Preises nicht unbedingt Ausdruck einer Inflation sein muss. In dem Kapitel Inflation” wird der Unterschied von Preissteigerung und Inflation betrachtet. In dem Kapitel “Rationalisierung” zeige ich welche Wirkung grundsätzlich gesehen die Rationalisierung hat: für den Kunden, für die Arbeitnehmer und für die Investoren bzw. Unternehmen. Fast man die Beobachtungen aus den bisherigen Kapiteln zusammen wird verständlich was in dem Kapitel “Kapitalismus” geschrieben steht: der Kapitalismus ist eine Denkweise vom Kapital her. Diese Denkweise ist derartig verinnerlicht, das selbst Kommunisten kapitalistisch denken - ohne es zu merken. Paradox scheint, dass die Denkweise verhindert, die im Grunde einfache Funktion des Geldsystems zu erkennen. Viele Menschen scheinen mir fasziniert zu sein von der Tatsache, das Banken selber Geld “machen” können und dürfen - die sogenannte Geldschöpfung. In dieser Geldschöpfung wird die Ursache der modernen Finanzkrisen gesehen. In dem Kapitel Geldschöpfung betrachte ich diese Problematik etwas genauer. Wenn man die grundlegende Funktionsweise des Geldsystems mit der realen Wirtschaft vergleicht muss man feststellen, das in der realen Wirtschaft marktwirtschaftliche Prinzipien gelten, für das Geldsystem aber eine staatswirtschaftliche Praxis vorherrscht. Im Kapitel “Arbeitsmarkt” vergleiche ich das Geldsystem mit dem Arbeitsmarkt der genau diese Unterschiede deutlich macht. Im Kapitel “Reform” wird eine Geldsystemreform entworfen - auch - um anhand des Modells nochmals die Funktionsweise des Geldsystems zu verdeutlichen. Denn jegliche Reform bräuchte als Voraussetzung eine grundlegende Einsicht in die Funktionsweise des derzeitigen Geldsystems. Wenn die bisher vorgestellten Kapitel weitestgehend ausformuliert sind wird es weitere geben: vor allem eine kritische Auseinandersetzung mit der Reform.  
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Aktuelle Betrachtung:

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Klaus Dieter Schley, 2017